2 mutige Frauen machen ein nachhaltiges Heft über nachhaltige Mode: Pureviu

Mode, Menschen, City – Mirjam Smend und Heike Littger brachten 2022 ein Modemagazin heraus, in dem es nicht einfach nur um Mode geht.
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„PUREVIU. Das Fashion Change Magazine“ handelt von Menschen, „die die Modewelt neu denken und gestalten“. Sprich: nachhaltig und wertschätzend. Die Herausgeberinnen mit Sitz in München stellen in je einer Stadt Modemacherinnen und Modemacher vor, die Fashion inspirierend anders machen. 

Welche Bedeutung steht hinter dem Namen Pureviu und welche Gedanken stehen hinter der Idee des Magazins?

PUREVIU setzt sich aus dem englischen Wort PURE und dem Akronym VIU für View zusammen und bedeutet so viel wie klare Sicht, klarer Blick. Auf Katalanisch bedeutet das Wort viu „lebendig“. Ein Begriff, mit dem wir all unsere Protagonist*innen im Magazin beschreiben würden: immer in Bewegung, aufgeschlossen, dem Leben zugewandt.

Was war der gedankliche Klick, bei dem Sie gewusst haben: „Das produzieren wir jetzt“?

Warum wir dieses Magazin machen? Weil die Geschichten dieser Fashion Changer erzählt werden müssen. Sie müssen zugänglich gemacht werden. Immer in der Hoffnung, dass sie begeistern, beflügeln und Mut machen, selbst aktiv zu werden.

„Uns war von Anfang an klar, dass das Magazin auf Papier erscheinen wird.“

Mirjam Smend und Heike Littger

Sie kommen beide aus der Verlagsbranche, wissen um den Markt und seine Veränderungen. Was hat Sie optimistisch gemacht, auf Print zu setzen?

Uns war von Anfang an klar, dass das Magazin auf Papier erscheinen wird. Natürlich auf maximal nachhaltigem Papier. Print wird immer totgesagt. Aber Print ist langlebig und wertig. Als Menschen, die viel Zeit am Computer verbringen, lesen wir beide gerne analog. Als Entspannung. Und mit mehr Aufmerksamkeit für die wichtigen Themen dieser Zeit. Ist es nicht großartig, ein echtes Magazin in der Hand zu halten? Lesezeichen einzulegen. Zu blättern. Der Duft …  

Das erste gedruckte Heft ist im Juni 2022 erschienen. In welcher Auflage, mit wie vielen Seiten und wo ist es erhältlich?

Wir sind mit einer Auflage von 2.000 Exemplaren gestartet. Die ‚1st edition‘ hat 164 Seiten. Alle Stockists (u.a. Soda Book Store in München), den Onlineshop und das eBook – ja, das gibt’s auch – gibt’s auf pureviu.de.

Der Titel des Pureviu-Hefts vom Juni 2022

Welche Herausforderungen gab es bis zum ersten Erscheinungstermin?

Wir haben uns dazu entschieden, das Magazin im Eigenverlag herauszugeben. Das heißt: Das Magazin wird genauso gemacht, wie wir es möchten. Unsere Inhalte, unsere Optik, unser Name. Natürlich bedeutet das im Umkehrschluss, dass wir PUREVIU auch selbst finanzieren müssen. Auf der Suche nach Supportern hat uns unser „GREENSTYLE“-Netzwerk sehr geholfen.

Im aktuellen Heft geht es um nachhaltige Mode in München, im kommenden Heft in einer anderen Stadt. Weshalb diese Aufteilung und werden Sie in Deutschland bleiben – wir sind neugierig …

In München gibt es noch viele großartige Game Changer – wir könnten locker auch die ‚2nd edition‘ München widmen. Aber wir möchten mit PUREVIU verschiedene Städte porträtieren, um zu zeigen, dass Wandel überall stattfindet. Auch in deiner Stadt. Vielleicht sogar nebenan. Und ja: Wir werden (erstmal) in Deutschland bleiben. Welche Stadt es sein wird, steht bereits fest. Verraten wird aber noch nichts …

Welchen Herausforderungen stellen Sie sich in der aktuellen Produktion – das nächste Heft soll Anfang 2023 erscheinen?

Die PUREVIU-Inhalte sind zeitlos. Die Storys haben kein Verfallsdatum. Im Gegenteil. Die Idee ist, dass die einzelnen Ausgaben zum Sammelobjekt werden. Deshalb eilt es mit einer weiteren Ausgabe nicht. Anfang 2023 wird es jedoch nicht sein. Dazu haben wir noch zu viele andere Projekte, die wir parallel bedienen. Es gibt auch keinen Grund zur Eile ☺.

Innenseiten des Pureviu-Magazins. Foto Pureviu

Pureviu beleuchtet Themen rund um nachhaltige Mode. Wie definiert man die eigentlich?

Nachhaltigkeit ist leider gar nicht definiert. Deshalb gibt es ja so viel Greenwashing. Uns geht es immer um ethische und ökologische Nachhaltigkeit. Um Respekt für Mensch, Tier und Natur. Hier gibt es viele Facetten – von der fairen Bezahlung über regionale Produktion, Re- und Upcycling-Ansätze, die versuchen, Kreisläufe zu schließen. Und es geht um innovative Konsummodelle wie die „Fashion Renting“-App von  CLOTHESfriends in der ‚1st edition‘. 

Ihre Einschätzung – ist die Produktion nachhaltiger Mode ein wachsender Markt? Wenn ja, wo vor allem?

Wir können weder weiterhin Menschen rund um den Globus mit der massenhaften Produktion von billigster Fashion ausbeuten. Noch kann unser Planet weiterhin sehenden Auges zerstört werden. Nachhaltige Mode ist deshalb die Zukunft. Muss die Zukunft sein. Das ist angekommen und wird langsam umgesetzt. Mehr. Und mehr. Und mehr.

Wer ist jetzt die Zielgruppe für nachhaltige Mode, wer soll die Zielgruppe künftig sein? Jemand, der bei einer Billigkette seine T-Shirts einkauft, wird nicht morgen ein Vielfaches dafür ausgeben. Wie kann ein Umdenken stattfinden und welchen Beitrag leistet Pureviu dazu? Das Magazin kostet 20 Euro und 16 Euro als E-Book – das ist etwas, was man sich leistet.

Nachhaltigkeit ist eine Geisteshaltung, die uns alle angeht. Nachhaltige Mode kann vieles sein. Weniger T-Shirts beim Billiganbieter und stattdessen eines, das fair produziert wurde. Second Hand Kleidung ist günstig und nachhaltig. Kleider tauschen. Auch wenn man seine eigene Kleidung repariert und länger trägt, ist das nachhaltig. Nachhaltige Mode ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit dem Neukauf eines Kleidungsstücks bei einer Eco Brand. Natürlich ist faire und ökologische Produktion teurer als Fast Fashion. Die ist nämlich zu billig. Und den Preis zahlt trotzdem jemand: die ausgebeuteten Näher*innen, die das Kleidungsstück produziert haben. 

„Die Auflage haben wir gezielt klein gehalten – natürlich mit der Option auf Nachproduktion.“

Mirjam Smend und Heike Littger

Wie nachhaltig produzieren Sie das Heft?

So nachhaltig wie möglich. Wir arbeiten mit 100 Prozent Recyclingpapier von Lenzing in Österreich. Gedruckt haben wir bei F&W Medien im Chiemgau in Bayern. Die Auflage haben wir gezielt klein gehalten – natürlich mit der Option auf Nachproduktion. 

Wir sprechen hier über ein Mode- und People-Magazin. Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe?

Menschen, die Lust haben auf Veränderung. Die auf der Suche nach inspirierenden Persönlichkeiten sind. Die gerne lesen, Neues erfahren, sich für zeitgeistige Themen, Mode, Menschen interessieren. Die wissen wollen, was für Veränderungspotenzial in ihrer oder einer anderen Stadt steckt. Die Neues ausprobieren wollen … Für Jede und Jeden.

Welchen Nutzen geben Sie Ihren Leserinnen und Lesern vor allem mit?

Wir möchten unseren Leser*innen die Augen öffnen und begeistern. Zusammen sind wir mehr.

Die Journalistin Mirjam Smend studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der „Paris Lodron Universität“ in Salzburg, arbeitete beim Modemagazin ELLE, unter anderem als Kulturredakteurin. Bereits 2016 startete sie das Blogzine my-GREENstyle.com für nachhaltige Mode und natürliche Beauty-Produkte. 2022 gründete sie gemeinsam mit Heike Littger das Magazin PUREVIU.

Heike Littger studierte an der LMU München Ethnologie, Politikwissenschaften und Völkerrecht. Bei der Süddeutschen Zeitung zeichnete sie als Ressortleiterin für „Bildung und Beruf“ verantwortlich. Als freie Journalistin schrieb sie unter anderem für Kursbuch, gdi Impuls, Magazin Schule, mangerSeminare, Zeit online, Impulse und GEO Saison.

Autor:innen

Monika Hoeksema
Monika Hoeksema

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